Die "Eisenbahn-Verkehrsmittel-AG"
(E.V.A.) entstand 1917 durch den Zusammenschluß der
"Waggonfabrik Wismar AG" und der "Deutsche
Waggonleihanstalt". Das Angebot des Unternehmens bestand in
Reisezug- und Güterwagen aller Art, die sowohl erworben als auch
gemietet werden konnten. 1922 begann in Zusammenarbeit mit der
"Maybach Motorenbau GmbH" in Friedrichshafen die
Entwicklung von Triebwagen, die 1924 zur Präsentation eines
Prototypen auf der Eisenbahnausstellung in Seddin führte. Der
Wagenkasten des Fahrzeugs war ganz in Stahl ausgeführt und ruhte
auf zwei Drehgestellen. Die Antriebsanlage war vollständig in
einem Maschinendrehgestell untergebracht. Der Maybach-Motor
war ein schnellaufender Diesel mit sechs Zylindern und einer
Leistung von 150 PS bei 1300 U/min. Die Kraftübertragung
erfolgte über eine mechanische Kupplung und ein Vierganggetriebe
auf eine Blindwelle, die ihrerseits mit Kurbeln und Kuppelstangen auf
die zwei Radsätze wirkte. Bei Motor und Getriebe handelte es
sich um Neukonstruktionen speziell für den Einsatz in
Triebwagen. Die Kühlanlage des Fahrzeuges war auf dem Dach in
einem schmalen, oberlichtartigen Aufbau untergebracht. Der Triebwagen
wurde als VT 851 von der DRG übernommen, die insgesamt 17
Fahrzeuge ähnlicher Typen beschaffte. Weitere Exemplare wurden
nach Belgien, Dänemark, Schweden und in die UdSSR exportiert.
Verschiedene dänische Privatbahnen interessierten sich für die
EVA-Maybachwagen, da diese günstiger und leichter als die
seinerzeit verfügbaren Fahrzeuge von DEVA oder Nakskov waren. Zwei
Wagen wurden von der Mariager-Fårup-Viborg Jernbane (MFVJ)
sowie je einer von der Hillerød-Frederiksværk Jernbane
(HFJ) und der Skagensbanen (SB) in unterschiedlichen Ausführungen
beschafft. Die Fahrzeuge MFVJ M 1 und
M 2 sowie HFJ M 5 waren rot mit cremefarbenen Fensterband ausgeführt,
SB M 1 war bei Lieferung braun und erhielt 1938-39 ein rotes
Farbschema mit weißer Zierlinie. 1931 folgte ein weiterer
Triebwagen für die SB, der unter Verwendung eines Reisezugwagens
mit holzverkleidetem Wagenkasten und eines Maybach
Maschinendrehgestells bei Scandia entstand. Die EVA-Maybachwagen
bewährten sich im täglichen Betrieb und führten häufig
auch Bei- oder Güterwagen mit. Allerdings erwiesen sich die
schnellaufenden Maybach-Diesel als recht verschleißanfällig,
so daß die Motoren mehrfach ausgetauscht werden mußten.
Zeitweilig wurden die Fahrzeuge als Reisezugwagen ohne eigene
Antriebsanlage verwendet. Der Einsatz der EVA-Maybachwagen endete mit
dem Erscheinen der "Y-tog" Triebzüge Ende der 1960er
Jahre. Lediglich das Maschinendrehgestell des Triebwagens MFVJ M 1 /
HFHJ M 7 fand weitere Verwendung als Basis des
Rangiertraktors
HFHJ T 3.
Der einzige vollständig erhaltene EVA-Maybachwagen ist SB M 1, der
heute zum Bestand des DJK gehört. Der Fahrgastbereich ist in
ein Raucher- und ein Nichtraucherabteil mit
Mittelgang gegliedert. Abweichend von den anderen dänischen
EVA-Maybachwagen ist das Fahrzeug mit Übergängen an den
Stirnseiten, einem separaten 2. Klasse-Abteil sowie mit einem
Postbüro ausgestattet. Im Zuge verschiedener Umbauten wurde der
oberlichtartige Dachaufbau mit den Kühlelementen entfernt, der
aktuelle Motor wurde 1948 eingebaut: Hercules DFXE, 6 Zylinder, 117
kW (165 PS) bei 1400 U/min. Das stark verschlissene Fahrzeug kann im
Eisenbahnmuseum
Gedser Remise besichtigt werden,
eine baldige Aufarbeitung ist nicht zu erwarten.
Museal erhaltenee Fahrzeuge:
DJK: SB M 1
| Technische
Daten SB M 1 |
| Hersteller |
EVA |
| Baujahr |
1927 |
| Achsfolge |
B' 2' |
| Länge über Puffer |
21.040 mm |
| Motor |
Maybach, 6 Zylinder |
| Leistung |
110 kW (150 PS) bei 1300 U/min |
| Kraftübertragung |
dieselmechanisch |
| Höchstgeschwindigkeit |
70 km/h |
| Dienstgewicht |
42,0 t |
| Einrichtung |
2. Kl.: 8, 3. Kl.: 44, 5 Klappsitze, 1 WC, Postabteil |
Abbildungen:
Zum Verbleib der einzelnen Triebwagen s.
Fahrzeugliste
Quellen:
Andersen, Torben (1998): Motortrækkraft hos Skagensbanen 1927-1998. Lokomotivet 53: 34-40.
Andersen, Torben (1999): Motormateriel hos Hilerød-Frederksværk-Hundested
Banen (HFHJ). Lokomotivet 57: 33-40.
Happke, Mathias: Die Waggonfabrik Wismar. http://home.arcor.de/mathias.happke/waggonfabrik/index.html
Lauritsen, Tom (2002): Danske Privatbaners Motormateriel 1921-2001. Smørum:
bane bøger.
Poulsen, John (1984): Motor Materiel 2: Motormateriellet fra udenlandske
fabrikker før 1945. Roskilde: bane bøger.
Zschech, Rainer (1980): Triebwagen deutscher Eisenbahnen, Band 2: VT und DT.
Düsseldorf: alba Buchverlag GmbH & Co. KG.
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