Steckbrief DEVA Diesel


Der schwedische Elektromaschinenhersteller "Almänna Svenska Elektriska Aktiebolaget" (ASEA) entschloß sich um 1910 zur Fertigung dieselelektrischer Triebfahrzeuge. Ein wesentliches Element des Vorhabens war die Zusammenarbeit mit der "AB ATLAS-Diesel", die als Patentinhaberin den Dieselmotor zu einem zuverlässigen und wirtschaftlichen Antrieb weiter entwickelt hatte. 1912 erwarb die Schwedische Staatsbahn (SJ) zwei Triebwagen, weitere Fahrzeuge entstanden zu Vorführzwecken. Schließlich gründeten ASEA und ATLAS 1914 gemeinsam die "Diesel Elektriska Vagn Aktiebolaget" (DEVA), um ihre Fahrzeuge einheitlich zu vermarkten. Nach den ersten Erfahrungen wurde ab 1920 ein ganzes Typenprogramm mit Loks und Triebwagen angeboten. Alle diese Fahrzeuge waren mit ATLAS-Motoren und ASEA-Elektrik ausgerüstet, die Steuerung erfolgte mit einem Leonard-System. Die Viertakt-Dieselmotoren verfügten über eine Drucklufteinspritzung und wurden mittels Pressluft gestartet. Die Auspuffanlage und die Kühler waren auf dem Dach angeordnet, letztere in einem oberlichtartigen Aufbau. Die Fahrwerke waren mit Lenkachsen ausgeführt, sofern die Fahrzeuge mehr als zwei Achsen aufwiesen. Die Wagenkästen waren mit Blech oder Teakholz beplankt. Beide Fahrzeugenden waren mit Führerständen ausgestattet, die an den Stirnseiten mit Übergängen versehen waren, um den Zugang zu mitgeführten Wagen zu ermöglichen. Ab Ende der 1920er Jahre sank der Absatz der Fahrzeuge, da insbesondere die ATLAS-Motoren nicht weiter entwickelt worden waren. Diesen Rückgang konnte auch die Verwendung von dänischen B&W Zweitakt-Dieselmotoren nicht aufhalten. Das Unternehmen DEVA wurde 1939 nach ca. 50 ausgelieferten Einheiten aufgegeben. Insgesamt bewährten sich die DEVA-Fahrzeuge durch eine hohe Zuverlässigkeit, was für Motorfahrzeuge der ersten Generation durchaus nicht selbstverständlich war.

In Dänemark interessierten sich die Lollandsbanen (LJ) und die Hornbækbanen (HHGB) für DEVA-Fahrzeuge. Beide Privatbahnen liehen 1923 jeweils eine DEVA-Lok, die beide nach erfolgreicher Erprobung erworben wurden. Die Maschinenanlage der baugleichen Fahrzeuge war in der Mitte des Wagenkastens angeordnet und wurde von den Führerständen durch einen Packraum bzw. durch ein Postabteil getrennt. Im Gegensatz zum Packraum führte am Postabteil ein seitlicher Gang vorbei, um das Postgut unter Verschluß halten zu können. Das Fahrwerk bestand aus vier Lenkachsen, allerdings wurde die Lok der HHGB bei Scandia zur Verbesserung des Kurvenlaufs auf Drehgestelle umgerüstet. Der 120 PS Polar-Motor mit sechs Zylindern in V-Anordnung war direkt an den ASEA-Generator angeflanscht. Mit dieser Leistung ließ sich eine Anhängelast von 50 t bewältigen, was 2-3 zweiachsigen Wagen entsprach. Weitere Aufträge kamen nicht zustande, da bereits 1923 die Nakskov Skibsværft begann, ähnliche Fahrzeuge mit Motoren der A/S Holeby anzubieten. DEVA ging daher ein Lizenzabkommen mit Scandia A/S zur Fertigung von Dieselfahrzeugen ein, um die hohen dänischen Importzölle zu umgehen. Es gelang aber nur, eine einzige Lok an die Amagerbanen (AB) zu verkaufen. Das Fahrzeug war mit einem ATLAS-Motor und ASEA-Elektrik ausgerüstet. Als letztes DEVA-Fahrzeug gelangte 1926 ein gebrauchter Triebwagen zur Frederiksværkbanen (HFHJ), der 50 Sitzplätze bot und mit 90 PS motorisiert war. Auch dieses Fahrzeug wurde bei Scandia von Lenkachsen auf Drehgestelle umgerüstet, es wurde 1958 remotorisiert und zur Rangiermaschine degradiert.

Die DEVA-Fahrzeuge zeigten sich bei den dänischen Privatbahnen als langlebig und zuverlässig. Nach einer Unterbrechung des Betriebes während der deutschen Besatzungszeit, war das letzte Exemplar bis Anfang der 1970er Jahre im Dienst, zuletzt als Reserve. Alle Fahrzeuge hatten klarlackierte Teakholzaufbauten und fielen in Dänemark durch verschiedene, typisch schwedische Merkmale auf: Hierzu zählten der überbreite Wagenkasten, die links angeordneten Führerpulte sowie die charakteristischen, großen Scheinwerfergehäuse. Die DEVA-Fahrzeuge dienten als unmittelbare Vorbilder für die ersten Dieselloks und -triebwagen, die von den dänischen Unternehmen Nakskov Skibsværft und Scandia A/S gefertigt wurden.

Museal erhaltene Fahrzeuge:
DJK: LJ M 1
NSVJ: HHGB ML 1 (abgestellt im Museum Gedser Remise)


Technische Daten DEVA Diesel:
DEVA-Lok * DEVA-Triebwagen
Anzahl 2 + 1 1
Hersteller DEVA, Scandia DEVA
Baujahr 1921-24 1925
Achsfolge A1 1A / (A1)' (1A)' 1A A1 / 2' Bo'
Länge über Puffer 14.400 mm 16.000 mm
Motor Atlas Polar Z6F, 6 Zylinder Atlas Polar, 6 Zylinder
Leistung 88 kW (120 PS) bei 500 U/min 66 kW (90 PS) bei 580 U/min
Kraftübertragung dieselelektrisch dieselelektrisch
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h 60 km/h
Dienstgewicht 34,0 t 31,0 t
Sitzplätze - 3. Kl.: 50
Ausstattung Postabteil und Packraum 1 WC, Packraum

* = abweichende Werte bei Scandia-Lizenzausgabe.


Abbildungen:

DK3948 DK4731 DK4732

DK3949 DK3950 DK3951


HHGB ML 1 (Gedser):

DK3030 DK3034 DK3056 DK3055 DK3033

DK3054 DK3035 DK3037

DK3042 DK3040 DK3041 DK3043

DK3046 DK3047 DK3031 DK3032




LJ M 1 (Maribo):

DK3339 DK3340 DK3343 DK3342 DK3344 DK3345


Zum Verbleib der einzelnen Loks s. Fahrzeugliste.


Quellen:
Forss, Erik (1988): Svenska Motorvagnsfordon i Danmark. Svenska Motorvagnsklubben.
Poulsen, John (1984): Motor Materiel 2: Motormateriellet fra udenlandske fabrikker før 1945. Roskilde: bane bøger.


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