Dambrug und Lebendfischtransport - Teil 1: Zuchtbetriebe

Dambrug - Forellenzucht

Das Gewerbe der Forellenzucht wurde in Dänemark anfänglich als Teichwirtschaft an Fließgewässern betrieben (dän. Dambrug), wobei das Wasser dem Gefälle folgend, künstlich angelegte Becken durchströmte. Die Abwässer wurden stromabwärts ungeklärt wieder in die Flüsse geleitet und belasteten letztendlich die Meere mit einem Überangebot an Nährstoffen. Ein anderes ökologisches Problem entstand durch die Anlage von Stauwehren, die Fischwanderungen zu stromaufwärts gelegenen Laichplätzen blockierten. Zur Begrenzung dieser Schäden trat 1989 ein Gesetzeswerk in Kraft, das eine grundlegende Wende bei den Fischkulturen einleitete. Mit der Umstellung auf Kreislaufanlagen wurde der Frischwasserbedarf limitiert, die Klärung von Stickstoffverbindungen und Phosphaten entlastete das Abwasser. Weitere Maßnahmen wie die Anlage von Fischtreppen verbesserten zusätzlich die ökologische Verträglichkeit. 2010 produzierten in Dänemark rund 275 Betriebe etwa 31.000 t Regenbogenforellen in Süßwasserkulturen und weitere 9.000 t in Salzwasserhaltung. Zusätzlich wurden rund 300 Mio. Forelleneier für Aufzuchtbetriebe exportiert. Der Anteil der Forellenproduktion am jährlichen Gesamtumsatz der dänischen Fischereiwirtschaft lag bei 40 %.



Box: Lebenszyklus in der Forellenzucht

Zur Fortpflanzung von Zuchtforellen werden Keimzellen aus verschiedenen genetischen Linien ausgewählt, um gewünschte Eigenschaften der Nachkommen zu erzielen. Die Eizellen (Rogen) und die Spermien (Fischmilch) werden durch manuelles "Abstreifen" der Fische gewonnen, ohne diese zu verletzen. Die Zusammenführung des Materials erfolgt üblicher Weise in Eimern. Die befruchteten Eier erreichen nach knapp 30 Tagen das "Augenpunktstadium", bei dem die Augenanlagen der Embryonen als dunkle Punkte erkennbar sind, der Schlupf erfolgt rund 45 Tage nach der Befruchtung. Die Larven leben weitere 2-4 Wochen vor ihren Dotterreserven, bevor sie aktiv Nahrung aufnehmen und frei schwimmen. Nach etwa 2 Monaten erreichen sie als "Fingerlinge" eine Größe um 6 cm und können in größere Becken oder Teiche umgesetzt werden. Nach mindestens 12 weiteren Monaten erreichen die ersten Exemplare ein Portionsgewicht von ca. 350 g. Forellen werden in verschiedenen Gewichtsklassen (z.B. 200-300 g und 300-500 g) gehandelt. Die Geschlechtsreife erlangen sie erst nach 3-5 Jahren. Daher unterhalten nicht alle Zuchtbetriebe eigene Laichfischbestände, sondern erwerben Augenpunkteier oder Fingerlinge nach Bedarf.



Lebendfischtransport per Bahn

Der Transport lebender Fische erwies sich als herausfordernd, da die Tiere stets mit frischem Wasser und ausreichend Sauerstoff zu versorgen waren. Die Lösung fand sich in speziellen Eisenbahnwaggons, die mit Wasserbecken eingerichtet waren. Zur Oxigenierung des Wassers konnte Luft bzw. Sauerstoff in die Behälter eingeblasen werden. Anfänglich erledigte dies eine motorbetriebene Umwälzpumpe, aber schon bald setzten sich Druckflaschen mit Sauerstoff durch. In jedem Fall erforderten der Betrieb den Einsatz eines Begleiters, der den erfolgreichen Transport verantwortete. Für dessen Unterbringung gab es eine einfache Koje über den Behältern und ggf. einen Kachelofen, ansonsten waren keine weiteren Bequemlichkeiten vorgesehen.

Die Waggons für den Lebendfischtransport wurden von den Zuchtbetrieben unterhalten und als Privatwagen ZF bei der DSB eingestellt. Größere Unternehmen nutzten eigene Waggons, kleinere Betriebe schlossen sich in der Genossenschaft "Dansk Andels Ørred Eksport" (DAØ) zusammen mit einem gemeinschaftlichen Wagenpark. Den Anfang machte 1908 die "I/S Hansen & Jørgensen Sydjysk Damkultur" mit dem ersten Privatwagen zum Export lebender Forellen nach Deutschland, weitere Zuchtbetriebe folgten.

Dänische Privatwagen für den Lebendfischtransport
Betreiber Betriebsnummern Anzahl Betriebsjahre
I/S Hansen & Jørgensen Sydjysk Damkultur ZF 99 801, ZF 500 001 - 007 10 1908 - 1965
P. Christensen ZF 500 011 1 1933 - 1941
Brd. Nissen Jøker ZF 500 021 - 025 8 1925 - 1976
P. Holm Nyland ZF 500 040 - 047 10 1933 - 1971
N. Jøker & Co. ZF 500 061 - 067 9 1932 - 1974
A/S Th. Petersen & Co. ZF 500 071 1 1934 - 1941
Dansk Andels Ørred Eksport (DAØ) ZF 50 011 ... 141 12 1941 - 1967
ID Dänische Forellen ZF 500 101 - 104 4 1952 - 1965
Sig Forellenzucht ZF 500 111 1 1954 - 1969
J. Errboe ZF 500 121 - 122 2 1954 - 1969
Tykskov Dambrug ZF 500 133 - 134 2 1955 - 1966
Dambrugernes Salgskontor ZF 500 141 1 1959 - 1961
I/S Scandia Ørred Eksport ZF 500 161 1 1960 - 1964


Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 kam der Forellenexport schon wieder zum Erliegen und erholte sich in der Folgezeit nur langsam. Ab den 1950er Jahren konnten größere Märkte in der Schweiz, Frankreich und den Benelux-Staaten erschlossen werden, die per Bahn bedient wurden. Neue Waggons wurden eingestellt, die jetzt auch über durchgehende Dampfleitungen sowie elektrische Anschlüsse verfügten und bei Bedarf auch in Personenzüge eingestellt werden konnten. Für das Wohlergehen des Zugbegleiters gab es einen Ofen, eine gasgefeuerte Kochgelegenheit und eine batteriebetriebene Beleuchtung. Der letzte Neubau wurde 1958 ausgeliefert, 1961 waren 33 Waggons für den Lebendfischtransport von 10 Betreibern registriert. Ab Anfang der 1960er Jahre begann sich der Transport auf die Straße zu verlagern und löste die Schiene letztendlich ganz ab. Neben den weiterhin durchgeführten Lebendtransporten wurden Forellen nun auch filetiert als Tiefkühlware oder geräuchert vertrieben.

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Einführung
Teil 1: Zuchtbetriebe
Teil 2: Privatwagen, Transport



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