Steckbrief DSB MH 201-203 (Henschel)


Parallel zur Entwicklung der dieselelektrischen Baureihe MT, interessierte sich die DSB für Rangierloks mit hydraulischer Kraftübertragung. Daher lieh man 1958 bei Henschel eine Lok vom Typ DH 440 zur Erprobung aus. Hierbei handelte es sich um die stärkste dreiachsige Variante aus der zweiten Generation von Henschel-Dieselloks, die als "Übergangsbaureihe" oder "Buckel-Henschel" bekannt wurden. Die Lok war mit einem mittig angeordneten Führerhaus und einem dreiachsigen Fahrwerk ausgestattet, das über ein Voith-Strömungsgetriebe, Blindwelle und Stangen angetrieben wurde. Nach eingehenden Untersuchungen wurde die Maschine zusammen mit zwei weiteren Exemplaren gekauft und als Baureihe MH eingestellt. Da die konkurrierenden MTs zu diesem Zeitpunkt noch nicht serienreif waren, wurden die Henschel-Maschinen das Vorbild für die Standard-Rangiermaschine zur Ablösung der Dampftraktion bei der DSB. Mit dem Erscheinen der Frichs-MHs wurden die Henschel-Loks nur noch im Raum Kopenhagen eingesetzt und Anfang der 1990er Jahre ausgemustert.

Pikanter Weise ging der Auftrag über 120 Serien-MHs aber nicht an Henschel, sondern an die Firma Frichs, die einen Nachbau mit geringen Abänderungen lieferte. Nach meinen Informationen gab es hierfür keine Lizenzvereinbarung und dementsprechend dicke Luft bei Henschel (über detaillierte Informationen zu diesem Vorgang würde ich mich sehr freuen!).

Die Probelok trug bei Ablieferung den henscheltypischen blauen Anstrich mit silbernen Gürtelstreifen. Nach Ihrer Übernahme erhielt die Maschinen die übliche DSB-grüne Farbgebung, die beiden anderen Loks wurden bereits im DSB-Farbschema ausgeliefert. Die ehemalige Probelok MH 203 wurde erhalten und gelangte über den erfolglosen Amager Jernbane Klub zum Struer Jerbanemuseum und 2003 schließlich zum DSB Museumstog Randers. Im August 2006 wurde die Lok wieder im blauen Henschel-Farbschema präsentiert.

Museal erhaltenes Fahrzeug:
DSB Museumstog: MH 203

Technische Daten MH 201 - 203
Anzahl 3
Hersteller Henschel
Baujahre 1957
Achsfolge C
Länge über Puffer 9.440 mm
Motor MAN W8V17,5/22A, 8 Zylinder
Leistung 323 kW (440 PS) bei 1100 U/min
Kraftübertragung dieselhydraulisch
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h (30 km/h im Rangiergang)
Dienstgewicht 40,5 t


Abbildungen:

DK2758 DK3500 DK0703 DK0257

DK1332 DK1333 DK1334 DK1335

DK2078 DK2536 DK25376



Zum Verbleib der einzelnen Loks s. Fahrzeugliste


Quellen:
Andersen, Torben (1996): DSBs trækkraft anno 1995/96, 2. del. Lokomotivet 43: 4-10.
Nilsson, Tommy. Jernbanen.dk: www.jernbanen.dk




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