Die Wahrung des Postgeheimnisses gegenüber unbefugten Personen erforderte bei
der Auslegung von Bahnpostwagen spezielle bauliche Lösungen.
Generell ermöglichte ein Seitengang das Passieren des
Postabteils, ohne dieses zu betreten. Eine besondere Form wurde mit
den Galeriewagen gefunden, die ab 1875 u.a. von der schweizerischen
Postverwaltung auf der Gotthardbahn eingeführt wurden. Hier war
eine Seitenwand des Postabteils eingerückt, wodurch seitlich ein
offener Laufgang entstand. Diese "Galerie" wurde nach außen durch
ein Geländer begrenzt und von dem über die gesamte
Wagenbreite gezogene Dach geschützt.
Auch bei den dänischen
Privatbahnen wurden Bahnpostwagen eingesetzt. Allerdings war die
Menge der beförderten Sendungen so übersichtlich, dass
meist gesonderte Postabteile in Personen- und Packwagen ausreichten.
Auch hier durfte das Bahnpersonal diese Abteile auf Grund der
Bestimmungen der Postverwaltung nicht betreten. So entstand ein
besonderer Wagentyp der dänischen Privatbahnen, der als
"Altanvogn" (Balkonwagen) bekannt wurde. Der Bereich des
Postabteils war als Galeriewagen ausgeführt, der übrige
Abschnitt war wie ein regulärer Wagen gehalten. Das Geländer
des Laufganges war auf Höhe der Ladetüren unterbrochen und
wurde mit einer Kette gesichert.
Altanvogne gab es in unterschiedlichen Ausführungen als Personen-/Postwagen und als
Pack-/Postwagen. Es handelte sich um zweiachsige Fahrzeuge mit
offenen Einstiegsbühnen, vergleichbar den zeitgenössichen
Personenwagen. Oft waren die Postabteile mit einem eigenen Ofen
ausgestattet. Altanvogne wurden von Scandia und Vulcan an
verschiedene Privatbahnen geliefert und sollen mit folgenden
Beispielen illustriert werden:
VNJ D 1, D 2:
Die Varde-Nørre-Nebel Jernbane (VNJ) beschafft 1903 zwei kombinierte
Personen-/Postwagen bei Vulcan. Die Fahrzeuge wurden als VNJ D 1 und D 2
eingereiht und 1906 als VNJ D 31 und D 32 umgezeichnet. VNJ D 31 wurde 1927
bei Triangel als Triebwagen VNJ M 3 umgerüstet und
1954 ausrangiert. VNJ D 32 wurde 1946 modernisiert
und 1959 ausrangiert. Der Wagenkasten ist als Sommerhaus erhalten.
KSB Dc 75:
Der kombinierte Personen-/Postwagen KSB
Dc 75 wurde 1906 von Scandia für die Slangerupbanen (KSB) gebaut
und bot im Fahrgastbereich 20 Sitzplätze. Ein ungewöhnliches
Merkmal dieses Wagens war der kleine Verschlag hinter dem Postabteil,
in dem der Abort untergebracht war. KSB Dc 75 wurde 1948
ausgemustert, der Wagenkasten diente bis in die 1960er Jahre als
Schuppen an der Station Buddinge.
HHGB D 1, D 2:
Die kombinierten Pack-/Postwagen HHGB D
1 und D 2 wurden 1906 von Vulcan für die Hornbækbanen
(HHGB) gebaut und waren bei Lieferung vermutlich mit einem
Oberlichtaufbau versehen. Beide Fahrzeuge wurden 1956 abgestellt,
HHGB D 1 wurde bei der Museumsbanen Maribo-Bandholm des DJK erhalten.
HP E 84, E 85:
Die kombinierten Pack-/Postwagen HP E 84 und 85
wurden 1906 von Scandia für die Hjørring Privatbaner
(HP) gebaut. Beide Fahrzeuge wurden 1943/47 als HP E 96 bzw. 97 umgezeichnet
und 1969-70 abgestellt.
TKVJ D 61, D 62:
Die Troldhede-Kolding-Vejen Jernbane (TKVJ) beschaffte 1916 bei Scandia
zwei kombinierte Personen-/Postwagen, die als D 61 und D 62 eingereiht wurden.
TKVJ D 61 wurde 1935 zu einem Triangel-Motorwagen umgebaut mit der
Betriebsnummer TKVJ M 5, wobei das Postabteil
aufgegeben wurde. TKVJ D 62 wurde 1969 an die Odsherreds Jernbane (OHJ)
verkauft als OHJ D 62 und ist beim KLK erhalten.
Quellen:
Poulsen, John, Hrsg. (1997): Privatbanerne gennem 150 år. Smørum: bane bøger.
Zur Fahrzeug-Übersicht