Der Großauftrag der Königlichen Eisenbahngesellschaft Siams
(RSR) von 1930 über sieben Loks und sechs Triebwagen mit
dieselelektrischer Transmission machte die Firma Frichs zu einem
führenden Anbieter dieser Technik. Entsprechend selbstbewußt
bot das Unternehmen solche Fahrzeuge auch in Dänemark an und
erhielt u.a. von der DSB eine Bestellung über vier Triebwagen,
die als Reihe MQ eingereiht wurden. Die Fertigung des Fahrzeugteils
und dessen Einrichtung erfolgte bei Scandia, die Montage der
Maschinenanlage wurde bei Frichs vorgenommen.
Konstruktiv bedeutete die Baureihe MQ einen großen Schritt vorwärts:
Erstmalig entschied sich die DSB bei einem Triebwagen für einen
ganz aus Stahl genieteten Wagenkasten, wie er auch bei den
Schnellzugwagen ab 1932 mit den Reihen AU und CR eingeführt
wurde. Das Design der Fahrzeuge war dagegen von den
Frichs-Privatbahnloks vom Typ "
Firkantede"
entlehnt, die mit ihren charakteristischen stumpfen Enden und planen Stirnflächen
ebenfalls ab 1932 ausgeliefert wurden. Auch mit der Maschinenanlage
beschritt Frichs neue Wege. So wurde die Antriebsanlage, bestehend
aus Dieselmotor und Generator, in einem dreiachsigen Drehgestell
unter dem Maschinenraum gelagert, um die Übertragung von
Vibrationen auf den Wagenkasten zu mindern. Für eine besonders
kurze Bauform war der Erreger auf dem Generator angeordnet und wurde
mittels Riemen angetrieben. Der Antrieb des Fahrzeugs erfolgte über
zwei Fahrmotoren an den äußeren Radsätzen im
gegenüberliegenden, ebenfalls dreiachsigen Drehgestell. So wurde
eine günstigere Gewichtsverteilung erreicht und die
empfindlichen Elektromotoren wurden vor dem austretendem Öl der
notorisch undichten Frichs-Dieselmotoren geschützt. Das
Maschinendrehgestell war mit seitlichen Führungen anstatt eines
Drehzapfens ausgeführt, der Wagenkasten stützte sich
federnd auf die Drehgestellwangen. Für einen leichten Zugang
konnte das gesamte Maschinendrehgestell nach dem Entfernen der
vorderen Pufferbohle aus dem Fahrzeug herausgezogen werden. Hierzu
war der Wagenkasten an der vorderen Stirnseite mit einer großen
Doppeltür versehen. Die Kühlanlage aus den Frichs-typischen
Elementen war auf dem Dach angeordnet.
Der Wagenkasten der Reihe MQ war an beiden Fahrzeugenden leicht verjüngt
und mit Führerständen eingerichtet, die an
den Fronten mit Übergängen ausgestattet waren. Der
Wagenkasten war an beiden Enden ungleich ausgeführt wegen des
herausziehbaren Maschinendrehgestells: Am Motorende war der
Wagenkasten nur schwach verjüngt und der Führerstand hatte
vier Fenster, am hinteren Ende war der Wagenkasten deutlicher
verjüngt und der Führerstand war mit drei Fenstern
versehen. Hinter dem vorderen Führerstand lag der Maschinenraum,
in den der Motor-Generatorsatz aus dem Maschinendrehgestell ragte.
Hieran schlossen sich ein Einstiegsraum und ein Fahrgastabteil
(Raucher), ein weiterer Einstiegsraum und ein Fahrgastabteil
(Nichtraucher) sowie ein Führerstand mit Platz für
Traglasten an. Die Abteile waren in 2+3 Sitzteilung und Mittelgang
eingerichtet, die Heizung erfolgte über einen Koksofen. Die
Einstiegsräume hatten eingerückte Türen, um Platz für
die außenliegenden Trittstufen zu schaffen. Das WC war vom
Maschinenraum abgeteilt und konnte über den anschließenden
Einstiegsraum erreicht werden. Wegen der seinerzeit rasanten
Entwicklung der Dieseltechnik, beschaffte die DSB keine weiteren
Wagen der Reihe MQ. Zwei ähnliche Fahrzeuge wurden an die
Privatbahnen AHTJ und NFJ geliefert, weitere Wagen in
Schmalspurausführung
gingen an die HAJ und DBJ.
Die Triebwagen der Reihe MQ wurden 1932 zunächst mit den
Betriebsnummern 207-210 in Dienst gestellt und 1941 als MQ 521-524
umgezeichnet. Die Fahrzeuge waren während ihrer gesamten
Betriebszeit in weinrot lackiert. Der Einsatz der MQ erfolgte
ausschließlich in Jütland auf Haupt- und Nebenstrecken,
während der deutschen Besatzung Dänemarks 1940-45 waren die
Fahrzeuge wegen der Treibstoffrationierung stillgelegt. Die MQ
erwiesen sich als zuverlässig, ihre begrenzte Leistung und ihre
relativ hohe Achslast schränkten den Einsatzbereich aber ein.
1958 wurde die Reihe MQ ausgemustert, keines der Fahrzeuge wurde
erhalten.
| Technische
Daten DSB MQ 207-210: |
| Anzahl |
4 |
| Hersteller |
Frichs |
| Baujahr |
1932 |
| Achsfolge |
3' (Ao 1 Ao)' |
| Länge über Puffer |
20.930 mm |
| Motor |
Frichs 621C, 6 Zylinder |
| Leistung |
184 kW (250 PS) bei 700 U/min |
| Kraftübertragung |
dieselelektrisch |
| Höchstgeschwindigkeit |
100 km/h |
| Dienstgewicht |
56,0 t |
| Sitzplätze |
70 |
| Zuladung im Traglastenraum |
1,6 t |
| Einrichtung |
2 Abt., 1 WC, Koksofen |
Abbildungen:
Zum Verbleib der einzelnen Fahrzeuge s. Fahrzeugliste.
Quellen:
Andersen, Torben (2008): Dansk Jernbanehistorie 4. Næstved: Lokomotivet´s forlag.
Christensen, Peter & Poulsen, John (2005): Motor Materiel 6: Motormateriellet fra danske
fabrikker før 1932. Smørum: bane bøger.
Dresler, Steffen (1992): DSB litra MQ. Lokomotivet 30: 87-92.
Zur Fahrzeug-Übersicht