Steckbrief DSB MQ 207-210


Der Großauftrag der Königlichen Eisenbahngesellschaft Siams (RSR) von 1930 über sieben Loks und sechs Triebwagen mit dieselelektrischer Transmission machte die Firma Frichs zu einem führenden Anbieter dieser Technik. Entsprechend selbstbewußt bot das Unternehmen solche Fahrzeuge auch in Dänemark an und erhielt u.a. von der DSB eine Bestellung über vier Triebwagen, die als Reihe MQ eingereiht wurden. Die Fertigung des Fahrzeugteils und dessen Einrichtung erfolgte bei Scandia, die Montage der Maschinenanlage wurde bei Frichs vorgenommen.

Konstruktiv bedeutete die Baureihe MQ einen großen Schritt vorwärts: Erstmalig entschied sich die DSB bei einem Triebwagen für einen ganz aus Stahl genieteten Wagenkasten, wie er auch bei den Schnellzugwagen ab 1932 mit den Reihen AU und CR eingeführt wurde. Das Design der Fahrzeuge war dagegen von den Frichs-Privatbahnloks vom Typ "Firkantede" entlehnt, die mit ihren charakteristischen stumpfen Enden und planen Stirnflächen ebenfalls ab 1932 ausgeliefert wurden. Auch mit der Maschinenanlage beschritt Frichs neue Wege. So wurde die Antriebsanlage, bestehend aus Dieselmotor und Generator, in einem dreiachsigen Drehgestell unter dem Maschinenraum gelagert, um die Übertragung von Vibrationen auf den Wagenkasten zu mindern. Für eine besonders kurze Bauform war der Erreger auf dem Generator angeordnet und wurde mittels Riemen angetrieben. Der Antrieb des Fahrzeugs erfolgte über zwei Fahrmotoren an den äußeren Radsätzen im gegenüberliegenden, ebenfalls dreiachsigen Drehgestell. So wurde eine günstigere Gewichtsverteilung erreicht und die empfindlichen Elektromotoren wurden vor dem austretendem Öl der notorisch undichten Frichs-Dieselmotoren geschützt. Das Maschinendrehgestell war mit seitlichen Führungen anstatt eines Drehzapfens ausgeführt, der Wagenkasten stützte sich federnd auf die Drehgestellwangen. Für einen leichten Zugang konnte das gesamte Maschinendrehgestell nach dem Entfernen der vorderen Pufferbohle aus dem Fahrzeug herausgezogen werden. Hierzu war der Wagenkasten an der vorderen Stirnseite mit einer großen Doppeltür versehen. Die Kühlanlage aus den Frichs-typischen Elementen war auf dem Dach angeordnet.

Der Wagenkasten der Reihe MQ war an beiden Fahrzeugenden leicht verjüngt und mit Führerständen eingerichtet, die an den Fronten mit Übergängen ausgestattet waren. Der Wagenkasten war an beiden Enden ungleich ausgeführt wegen des herausziehbaren Maschinendrehgestells: Am Motorende war der Wagenkasten nur schwach verjüngt und der Führerstand hatte vier Fenster, am hinteren Ende war der Wagenkasten deutlicher verjüngt und der Führerstand war mit drei Fenstern versehen. Hinter dem vorderen Führerstand lag der Maschinenraum, in den der Motor-Generatorsatz aus dem Maschinendrehgestell ragte. Hieran schlossen sich ein Einstiegsraum und ein Fahrgastabteil (Raucher), ein weiterer Einstiegsraum und ein Fahrgastabteil (Nichtraucher) sowie ein Führerstand mit Platz für Traglasten an. Die Abteile waren in 2+3 Sitzteilung und Mittelgang eingerichtet, die Heizung erfolgte über einen Koksofen. Die Einstiegsräume hatten eingerückte Türen, um Platz für die außenliegenden Trittstufen zu schaffen. Das WC war vom Maschinenraum abgeteilt und konnte über den anschließenden Einstiegsraum erreicht werden. Wegen der seinerzeit rasanten Entwicklung der Dieseltechnik, beschaffte die DSB keine weiteren Wagen der Reihe MQ. Zwei ähnliche Fahrzeuge wurden an die Privatbahnen AHTJ und NFJ geliefert, weitere Wagen in Schmalspurausführung gingen an die HAJ und DBJ.

Die Triebwagen der Reihe MQ wurden 1932 zunächst mit den Betriebsnummern 207-210 in Dienst gestellt und 1941 als MQ 521-524 umgezeichnet. Die Fahrzeuge waren während ihrer gesamten Betriebszeit in weinrot lackiert. Der Einsatz der MQ erfolgte ausschließlich in Jütland auf Haupt- und Nebenstrecken, während der deutschen Besatzung Dänemarks 1940-45 waren die Fahrzeuge wegen der Treibstoffrationierung stillgelegt. Die MQ erwiesen sich als zuverlässig, ihre begrenzte Leistung und ihre relativ hohe Achslast schränkten den Einsatzbereich aber ein. 1958 wurde die Reihe MQ ausgemustert, keines der Fahrzeuge wurde erhalten.


Technische Daten DSB MQ 207-210:
Anzahl 4
Hersteller Frichs
Baujahr 1932
Achsfolge 3' (Ao 1 Ao)'
Länge über Puffer 20.930 mm
Motor Frichs 621C, 6 Zylinder
Leistung 184 kW (250 PS) bei 700 U/min
Kraftübertragung dieselelektrisch
Höchstgeschwindigkeit 100 km/h
Dienstgewicht 56,0 t
Sitzplätze 70
Zuladung im Traglastenraum 1,6 t
Einrichtung 2 Abt., 1 WC, Koksofen


Abbildungen:

DK4150 DK3701 DK3702


Zum Verbleib der einzelnen Fahrzeuge s. Fahrzeugliste.


Quellen:
Andersen, Torben (2008): Dansk Jernbanehistorie 4. Næstved: Lokomotivet´s forlag.
Christensen, Peter & Poulsen, John (2005): Motor Materiel 6: Motormateriellet fra danske fabrikker før 1932. Smørum: bane bøger.
Dresler, Steffen (1992): DSB litra MQ. Lokomotivet 30: 87-92.


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