Ende der 1920er Jahre entschloß sich die DSB zur Beschaffung
größerer Triebwagen mit Drehgestellen und elektrischer
Kraftübertragung. Die technischen
Herausforderungen lagen dabei in der Zuverlässigkeit und
Leistung des Antriebs, die teakholzverkleideten Wagenkästen entsprachen dagegen dem
zeitgenössischen Wagenmaterial. Auf die zunächst bei Frichs und
Scandia gebaute Reihe MR folgte 1929 ein Entwurf von Triangel. Von diesem wurden
zunächst vier Fahrzeuge beschafft, 1930 folgten 12 weitere mit
gesteigerter Leistung. Diese Triebwagen erhielten bei Triangel die
Typbezeichnung XX bzw. XXA und wurden bei der DSB als Reihe ML
geführt. Triangel lieferte den Wagenkasten und das Fahrwerk, die
elektrische Ausrüstung stammte von Thrige, die Benzinmotoren
fertigte Continental und die Steuerung kam von GEBUS.
Die Reihe ML war an
beiden Fahrzeugenden mit Führerständen und Übergängen
an den Stirnseiten versehen. Der Bereich zwischen den Führerständen
war unterteilt in einen Maschinenraum, einen Packraum sowie in zwei
Abteile. Die Fahrgasträume hatten einen Mittelgang und waren mit
lederbezogenen Polsterbänken im Schema 2+3 eingerichtet. Zur
Heizung war unterflur ein Koksofen vorhanden. Die Maschinenanlage der
ML bestand aus zwei querliegenden Benzinmotoren von Continental mit
angeflanschten Generatoren. Die Fahrmotoren waren im
gegenüberliegendem Drehgestell angeordnet. Seitliche Öffnungen im Wagenkasten
ermöglichten die Belüftung des Maschinenraums. Die
Kühlanlage bestand aus aufrechtstehenden Elementen auf dem Dach,
deren Anordnung zwischen den Fahrzeugen differierte und mehrfach
geändert wurde. In späteren Betriebsjahren fanden hier auch
flache, Frichs-typische Dachkühler Verwendung, wie sie u.a. bei
der DSB-Reihe MO verbaut wurden.
Die Wagen der Reihe ML zeigten gute Fahreigenschaften, erwiesen sich aber
als zu schwach, um Beiwagen mitführen zu können. 1940
entschloß sich die DSB zum Tausch der vergleichsweise
unwirtschaftlichen Benzinmotoren gegen Büssing Dieselmaschinen.
Die Reihe ML war zunächst im kopenhagener Nahverkehr eingesetzt,
bis sie dort durch die Reihe MO abgelöst und auf Nebenstrecken
in ganzen Land verdrängt wurde. Alle ML waren bis 1958
ausgemustert, keines der Fahrzeuge wurde erhalten. Während der
gesamten Betriebszeit waren die teakholzverkleideten Wagenkästen
klar lackiert.
Einige ausgemusterte ML wurden nach dem Entfernen der Maschinenanlage weiter
verwendet: Zwei Wagenkästen dienten zeitweilig als Kantine und
Aufenthaltsraum am Güterbahnhof Kopenhagen. Sie waren unter dem
Namen des Betreibers als "Café
Runchel" bekannt und wurden um 1970 abgerissen. Weitere acht
ML wurden als mobile Lehrräume des "Jysk Teknologisk
Institut", einer berufsbildenden Schulungseinrichtung genutzt.
Die Fahrzeuge erhielten ein blau/graues Farbschema und wurden als Gattung
ZU geführt. Die Wagen wurden bis Ende der 1980er Jahre
ausgemustert.
| Technische
Daten DSB ML 84-99, ab 1941: ML 501-515 |
| Anzahl |
16 |
| Hersteller |
Triangel |
| Baujahr |
1929-30
|
| Achsfolge |
2' Bo' |
| Länge über Puffer |
20.930 mm |
| Motorvarianten* |
ML 84-87: 2 x Continental, 6 Zylinder, Benzin
ML 88-99: 2 x Continental, 6 Zylinder, Benzin |
| Leistung |
ML 84-87: 2 x 74 kW (100 PS) bei 2000 U/min
ML 88-99: 2 x 88 kW (120 PS) bei 2000 U/min |
| Kraftübertragung |
benzinelektrisch |
| Höchstgeschwindigkeit |
75 km/h |
| Dienstgewicht |
44,0 t |
| Sitzplätze |
70 |
| Ausstattung |
1 WC, Traglastenraum |
* = ab 1939: 2 x Büssing Diesel, je 6 Zylinder, 99 kW (135 PS) bei 1600 U/min
Abbildungen:
Zum Verbleib der einzelnen Triebwagen s.
Fahrzeugliste.
Quellen:
Andersen, Torben (1987): Motorvogn litra ML. Lokomotivet 17: 24-38.
Andersen, Torben (2007): Undervisningsvogne hos de teknologiske institutter. Lokomotivet 90: 5-11.
Andersen, Torben (2008): Dansk Jernbanehistorie 4. Næstved: Lokomotivetīs forlag.
Gram Alkjær, Hans et al. (1976): Motor Materiel 1: Motormateriel fra Triangel. Dansk Jernbane-Klub.
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