Anfang der 1960er Jahren suchte die DSB ein neues Muster für
Kleinlokomotiven, um die Dampftraktion im Rangierbetrieb endgültig
abzulösen. Daher wurde 1964 eine
Köf II
von der DB zur gründlichen Erprobung für einige Monate entliehen und
anschließend eine Serie von 20 entsprechenden Maschinen bei
A/S Frichs bestellt. Die Nachbauten
wurden in Dänemark als "Køf"
bekannt, ein vergleichbarer, eigener Entwurf von Frichs wurde nicht
berücksichtigt. Damit hatte die DSB nach der Bestellung der
Ardelt-Rangiertraktoren und der Reihe MH das Haus Frichs ein weiteres
Mal zum reinen Lizenznehmer degradiert und mangelndes Vertrauen in
dessen Konstruktionen gezeigt. Tatsächlich sollten die Køfs
die letzten von Frichs gebauten Dieselfahrzeuge werden.
Der Antriebsstrang der dänischen Køfs war vollständig
aus importierten Komponenten aufgebaut: Das hydraulische Getriebe
stammte von Voith, das Wendegetriebe kam von Gmeinder und der Motor
wurde von Leyland geliefert. Der allgemeine Aufbau wurde weitgehend
von der deutschen Vorlage übernommen: Die seitlichen Fenster und
Türen des endständigen Führerhauses waren offen und
konnten mit einer Plane verhängt werden. Die Maschinenanlage war
in einem schmalen, halbhohen Vorbau untergebracht, der durch
seitliche Einsteckbleche für Wartungszwecke zugänglich war.
Neu an der dänischen Version waren dagegen am Führerstand
die zweifach geknickten Seitenwände und die größeren
Fenster an den Stirnseiten. Weitere Modifikationen fanden sich mit
der leicht nach vorn geneigten Front des Vorbaus sowie an den
seitlichen Tritten für den Rangierer, die im vorderen Bereich
auf Bahnsteigniveau hochgesetzt waren. 1968-69 folgte eine zweite
Serie von 20 Køfs, von denen die letzten acht
rundum geschlossene Führerstände
und vier Türflügel an jeder Seite der Motorvorbauten
erhielten. Diese Neuerungen wurden auch bei den älteren
Maschinen nachgerüstet. Alle dänischen Køfs waren
neben den üblichen Schraubenkupplungen mit automatischen
Kupplungen für den Rangierdienst ausgestattet, die bei
Streckenfahrten mit Zügen hochzuklappen waren. In den 1980er
Jahren erhielten die Køfs orange Blinkleuchten und das
Auspuffrohr wurde über das Dach des Führerhauses bis zum
Fahrzeugende geführt.
Die Køfs wurden landesweit im Rangierbetrieb eingesetzt und übernahmen
vereinzelt leichte Güterzüge im Streckendienst. Weitere
Aufgaben fanden sich in den großen DSB-Werkstätten sowie
bei den Güterverkehrskunden "Kommunekemi" in Nyborg, "DLG" in
Hasselager, "Novopan" in Pindstrup und "Carlsberg" in Fredericia. 2001
übernahm Railion Danmark A/S (RDK) 27 Køfs. Nach 2000
nahm der Bedarf an Rangierleistungen deutlich ab, so daß die
Zahl der abgestellten Køfs stetig zunahm. Vereinzelte Køfs
wurden an die Privatbahn Lemvigbanen (VLTJ) veräußert oder
leihweise bei Industrie- und Gleisbaubetrieben eingesetzt. Für
längere Überführungsfahrten verfügte die DSB über
eigene Køf-Transportwagen.
Ursprünglich waren alle Køfs grün, einige erhielten später das
rot/schwarze Farbschema. Allerdings scheint es hierzu nie eine
offizielle Vorlage gegeben zu haben und so entstanden zahlreiche
Varianten. Bei einigen Maschinen wurde die Betriebsnummer in
übergroßen Ziffern zusätzlich auf dem Dach des
Führerhauses angebracht ("Flyvernummer"), um sie beim Rangieren leichter
identifizieren zu können. Die von Railion DK übernommenen Køfs
wurden unverändert weiter betrieben und lediglich durch aufgeklebte
Schriftzüge gekennzeichnet. Køf 286 erhielt 2003 bei der
Instandsetzung ein an die Baureihe MK angelehntes Farbschema:
Aufbauten gelb, Dach und Oberseite des Vorbaus grau, Fahrwerk
schwarzgrau. Die Køfs der Lemvigbanen (VLTJ) wurden in den
rot/oragen Hausfarben der Privatbahn lackiert.
Museal erhaltene Fahrzeuge:
Jysk Veterantog (DJK): Køf 251
Danmarks Jernbanemuseum: Køf 256, 261
DSB Museumstog: Køf 288
Veteranbanen Bryrup Vrads (VBV): Køf 257
Zum Verbleib der Fahrzeuge s.
Fahrzeugliste.
| Technische Daten Køf 251-290: |
| Anzahl |
40 |
| Hersteller |
Frichs |
| Baujahre |
1966, 1968-1969 |
| Achsfolge |
B |
| Länge über Puffer |
6.400 mm |
| Motor |
Leyland UE 680, 6 Zylinder |
| Leistung |
94 kW (128 PS) bei 1.800 U/min |
| Kraftübertragung |
dieselhydraulisch |
| Höchstgeschwindigkeit |
45 km/h |
| Dienstgewicht |
17,0 t |
Abbildungen:
Lieferzustand 1. Serie:
DSB und Ralion DK:
DSB Køf-Transportwagen:
DSB Køf 271 "KT NIELSEN":
Køf 271 hat eine eigene Geschichte: Die Lok war dem kopenhagener
Bahnbetriebswerk "Bv Lok Øst" zugeteilt, wurde
aber zum großen Ärger des Personals immer mal wieder von
anderen Dienststellen "ausgeliehen". So entstand 1989 die
Idee, Køf 271 wie ein Bahndienstfahrzeug gelb zu lackieren.
Die Arbeit wurde allerdings vom Fahrdienstleiter K. T. Nielsen
unterbunden, nachdem bereits die Vorderseite des Führerhauses
umlackiert war. Als dann 1990 die Lok schließlich das
rot/schwarze Design-Farbschema erhielt, revanchierte sich das
Personal: Herrn Nielsen wurde bei einer obligatorischen Flasche Bier
die frischlackierte Køf präsentiert, die nun den
Namenszug "KT NIELSEN" trug. Diesmal fand das
eigenmächtige Vorgehen Beifall und das Betriebswerk hatte
endlich eine personalisierte Køf.
ex DSB Køf bei Privatbahnen und Industrie:
Quellen:
Andersen, Torben (1996): DSBs trækkraft anno 1995/96, 2. del. Lokomotivet 43: 4-10.
Lundstrøm, Jan (2004): Køf - de små slidere. Jernbanen 2/2004: 24-35.
Nørgaard Olesen, Thomas (2005): Lokomotivfabrikken Frichs. København: Dansk Jernbane Klub.
Oakley, W. (1966): DSBīs nye rangertraktor. Vingehjulet 23. årgang nr. 4: 37-39.
Pedersen, Erik V.: persönliche Mitteileung.
Der Artikel "Køf - de små slidere" ist in deutscher Übersetzung
als pdf-Datei erhältlich unter:
www.deutsche-kleinloks.de/download/kleinloks_daenemark.pdf.
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