Der Chefkonstrukteur der Schwedischen Staatsbahn (SJ) Carl Flodin erhielt 1912 den
Auftrag zum Entwurf einer neuen Schnellzuglok mit der Typbezeichnung
"F". Als Vorbild diente die Klasse C der
Württembergischen Staatsbahn, eine "Pacific" mit 2' C 1'-Achsfolge
und Vierzylinder-Verbundtriebwerk. Charakteristische
Merkmale der schwedischen Konstruktion waren das windschnittige
Führerhaus mit Holzrahmen, die spitze Rauchkammertür
sowie die geneigte Anordnung der Zylinder und außenliegende
Drehgestellrahmen der Laufachsen. Der großzügig bemessene,
genietete Tender war nach amerikanischem Vorbild als sogenannter
"Semi-Vanderbilt"-Wannentender ausgelegt. Die Loks
erhielten die Betriebsnummern F 1200-1209 und 1271.
Die erste Lok wurde 1914 von Nydqvist och Holm AB
als F 1200 abgeliefert und eingehend
erprobt. Dabei bewies sie exellente Laufeigenschaften und hohe
Endgeschwindigkeiten, zeigte aber nur mäßige
Anfahrleistungen auf Steigungen. Bis 1916 folgten zehn leicht
geänderte Serienloks, die sich allgemein gut bewährten. Ab 1933
wurde die Reihe F wegen der fortschreitenden Elektrifizierung der
SJ-Hauptstrecken abgestellt.
Mitte der 1930er Jahre
stand die DSB vor der Aufgabe, neue Lokomotiven für schwere
Schnellzüge zu beschaffen. Problematisch war, daß für die
favorisierte Dieseltraktion keine Typen mit ausreichender Leistung
verfügbar waren. Außerdem hatte sich die DSB 1926
verpflichtet, neue Loks grundsätzlich bei der Firma Frichs zu
beauftragen, der man die erfolgreiche Konstruktion neuer Muster aber
kaum zutraute. Umso willkommener kam daher das schwedische Angebot,
die ausgemusterte Reihe F zum Schrottpreis zu übernehmen. 1937
kamen die Loks nach Dänemark und wurden zunächst in den
kopenhagener Zentralwerkstätten der DSB aufgearbeitet. Die
wesentlichen Änderungen lagen in der Verlagerung von Steuerung
und Armaturen auf die rechte Kesselseite sowie den ganz in Stahl
ausgeführten Führerhäusern. Darüber hinaus waren
Anpassungen bei Lokschuppen und
Versorgungseinrichtungen sowie der Bau von 20 m-Drehscheiben
notwendig. Schließlich gingen alle Maschinen ab 1937 als DSB E
964-974 mit dem Spitznamen "Svenskerne" (die Schweden) in Dienst.
Mit der deutschen Besetzung Dänemarks 1940-45 und der damit verbundenen
Treibstoffrationierung bei stark erhöhten Transportleistungen
war die DSB gezwungen, kurzfristig die Zahl ihrer Dampfloks zu
erhöhen. Als schnellste Lösung wurde der Nachbau bewährter
Typen beschlossen, auch wenn es sich dabei schon lange nicht mehr um
zeitgemäße Muster handelte. Von der Reihe E wurden 1940-47
in vier Losen insgesamt 25 Loks geordert, die als E II die
Betriebsnummern E 975-999 erhielten. Gegenüber dem schwedischen
Vorbild sind die E II am zusätzlichen Dom zur Dampftrocknung, an
den vergrößerten Seitenfenstern des Führerhauses
sowie durch den geschweißten Tender zu erkennen. Massive Mängel
und Mißmanagement bei Frichs verzögerten die Auslieferung
der Loks, E 999 wurde 1950 als letzte Frichs-Dampflok fertiggestellt.
Nachträglich wurden 1948-51 die auf Seeland stationierten E
975-989 mit Doppelschorsteinen zur Verbesserung der Zugwirkung in der
Rauchkammer ausgerüstet.
Die DSB Reihe E war in der
öffentlichen Wahrnehmung
die dänische Dampflok und tauchte
u.a. als Werbemotiv in der Alltagsgrafik auf. In den 1950er und -60er Jahren waren die E
landesweit allgegenwärtig vor Reise- und Güterzügen,
bis sie durch die neuen Dieselloks verdrängt wurden. Der letzte
Planeinsatz einer E erfolgte 1970.
Als besondere Einsätze sind die Überführungen der königlichen
Begräbniszüge 1972 und 2000 zu nennen. Diese ehrenvollen Aufgaben
wurden in Doppeltraktion mit E 978 und E 994 bzw. mit E 991 und PR 908 durchgeführt.
Wegen abgelaufener Kesselfristen wurde E 991 zum Ende des Jahres 2009
zur Revision abgestellt.
Museal erhaltene Fahrzeuge:
Sveriges Järnvägsmuseum, Gävle: SJ F
1200 (DSB E 964), SJ E 1202 (DSB E 966)
Danmarks Jernbanemuseum: DSB E 978, E 991, E 994
Struer Jernbanemuseum: E 987
International Railway Museum, Peterborough GB (Nene Valley Railway): DSB E 996
|
Technische Daten DSB E 964-999: |
| |
E 964-974 (E I) |
E 975-999 (E II) |
| Anzahl |
11 |
25 |
| Hersteller |
Nydqvist |
Frichs |
| Baujahre |
1914-16 |
1942-50 |
| Bauart, Steuerung |
2' C 1' h4v, Heusinger |
2' C 1' h4v, Heusinger |
| Länge über Puffer |
21.300 mm |
21.265 mm |
| Rostfläche |
3,6 m² |
3,6 m² |
| Verdampfungsheizfläche |
189,3 m² |
184,7 m² |
| Überhitzerfläche |
63,6 m² |
68,0 m² |
| Kesselüberdruck |
13 atm |
13 atm |
| Hoch- / Niederdruckzylinder-Ø |
420 mm / 630 mm |
420 mm / 630 mm |
| Kolbenhub |
660 mm |
660 mm |
| Treib- und Kuppelrad-Ø |
1.886 mm |
1.896 mm |
| Laufrad-Ø vorn / hinten |
984 mm / 1.112 mm |
984 mm / 1.112 mm |
| indizierte Leistung |
1.350 PS |
1.370 PS |
| Zugkraft |
8.980 t |
8.980 t |
| Höchstgeschwindigkeit |
110 km/h |
110 km/h |
| Dienst- / Reibungsgewicht der Lok |
87,0 t / 48,0 t |
88,4 t / 54,0 t |
| Tender: Achsfolge / Dienstgewicht |
2' 2' / 55,0 t |
2' 2' / 55,2 t |
| Vorrat: Wasser / Kohle |
21,0 m³ / 6,5 t |
25,0 m³ / 6,5 t |
Abbildungen:
E I:
E II:
E 994, Danmarks Jernbanemuseum:
E 991, DSB Museumstog:
Königliche Begräbnisse:
Seine Majestät, König Frederik IX von Dänemark, starb im Januar 1972.
Er hatte ausdrücklich verfügt mit Dampftraktion nach Roskilde überführt
zu werden. Als 2000 seine Witwe Königin Ingrid verstarb, wurde ebenso verfahren.
Die Domkirche von Roskilde ist traditionell die letzte Ruhestätte
der dänischen Monarchen.
SJ F 1200 (ex DSB E 966):
DSB E 966 wurde 1999 an die SJ übergeben und in den
Ursprungszustand als SJ F 1200 betriebsfähig zurückgebaut.
Denkmallok DSB E 978 in Fredericia:
DSB E 978 wurde vom Tuborg Fond 1977 als Monument gestiftet. Die Lok wurde nahe dem
Mahnmal der gefallenen Eisenbahner am Bahnhof in Fredericia
aufgestellt und liebevoll von ehrenamtlichen Enthusiasten
gepflegt. Im Oktober 2007 wurde E 978 wegen eines Bauvorhabens von ihrem
Standort entfernt. Nach Pressemeldungen um eine
mögliche Verschrottung, erklärte im Oktober 2008 das Dänische Eisenbahnmuseum
in Odense seine Bereitschaft zur Übernahme der Maschine und
deponierte letztere zum Jahreswechsel 2009 im Depot Randers.
Die folgenden Bilder entstanden im Mai 2007 am Bahnhof von Fredericia.
DSB E in der Alltagsgrafik:
Zum Verbleib der einzelnen Loks s.
Fahrzeugliste
Quellen:
Andersen, Torben (2000): DSB litra E. Lokomotivet 63: 34-40.
Andersen, Torben (2004): Dansk Jernbanehistorie 1. Næstved: Lokomotivet´s forlag.
Bay, William (1977): Danmarks damplokomotiver. Herluf Andersens Forlag.
Christensen, Lars: DSB litra E c/o Jernbanen.dk. www.jernbanen.dk
Dresler, Steffen (2006): DSB litra E. Særkrift nr. 27, Lokomotivets forlag.
Dieses Buch ist online verfügbar
Nørgaard Olesen, Thomas (2005): Lokomotivfabrikken Frichs. København: Dansk Jernbane Klub.
Voldmester, Vilhelm (1948): Damplokomotivet og dets betjening: Lærebog for Lokomotivpersonalet. 4. Udg.,
Bd. I-II. København: S. L. Møllers bogtrykkeri.
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