Die "Maschinen- und
Armaturenfabrik vorm. H. Breuer & Co., Höchst a.M."
meldete 1913 ein Patent für eine "Verschiebemaschine
gedrängter Bauart für Fabrikgleise" an, den
Prototypen der legendären Breuer "Lokomotoren". Das
motorgetriebene Rangierfahrzeug war denkbar einfach und klein
ausgeführt und verfügte über eine spezielle
Kupplungsvorrichtung (s.u.). Damit wurde eine kostengünstige
Alternative zum Rangierbetrieb mit Dampfloks bzw. für den
Verschub mittels Muskelkraft angeboten. Zum Erfolgsmodell wurde der
Lokomotor aber erst nach dem ersten Weltkrieg, als Breuer 1923 an die
"Buderus´sche Handelsgesellschaft m.b.H., Wetzlar"
angegliedert wurde und das Produkt 1924 auf der Eisenbahntechnischen
Ausstellung in Seddin präsentiert wurde. Durch konsequente
Weiterentwicklung entstand in den folgende Jahren eine
Lokomotor-Typenreihe, die an zahlreiche Kunden vorwiegend in Europa
geliefert wurde. Lizenzausgaben wurden bei Pedershaab (DK), Badoni
Spa. (I), Oy Tampella AB (SF), Gebus (A) und R. Aebi & Cie, (CH)
gefertigt; insgesamt wurden über 1000 Breuer-Lokomotoren gebaut.
Breuer fimierte ab 1929 als "Breuer-Werk Aktien-Gesellschaft, Frankfurt a./M.-Höchst" und
ab Ende der 1930er Jahre als "Breuer Werke GmbH, Frankfurt a. M.-Höchst".
Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung wurde 1948 die Produktion wieder aufgenommen,
1955 aber endgültig eingestellt und das Patent an
Gebus in Wien veräußert. Hier wurden 1957-58 die letzten sieben Lokomotoren hergestellt,
bevor das Werk 1961 in Konkurs ging und 1965 liquidiert wurde.
Die wesentlichen Merkmale der Breuer-Lokomotoren waren
ihre extrem kurze Bauform und die Kupplungsvorrichtung
mit Hubmechanik. So war es möglich, mit dem Lokomotor ein Stück
unter den zu schleppenden Wagen zu fahren und diesen mit der
Hubspindel anzuheben. Damit erhöhte sich der Achsdruck des
Lokomotors und sorgte für die nötigen Reibwerte zum
Verschieben schwerer Wagen. Gleichzeitig wurde der Lokomotor durch
eine Zugöse an den Kupplungshaken des zu schleppenden Wagens
gezogen. Auf Grund seines extrem kurzen Achsstandes paßte der
Lokomotor auch mit auf die weit verbreiteten, kurzen
Wagendrehscheiben. Als Antrieb diente ein Breuer-Vergasermotor, der
quer zur Fahrtrichtung zwischen den Achsen angeordnet war und über
ein Schaltgetriebe mit mechanischer Kupplung auf beide Achsen mittels
Ketten wirkte. Alle Fahrzeugvarianten wurden von Breuer offiziell in
fünf Typen unterteilt, wobei zahlreiche Varianten und Umbauten
eine Klassifizierung der Fahrzeuge erschweren:
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Der ausgewiesenen
Fachautor Dr. Löttgers bezeichnete das Modell Typ I treffend als
"rollende Plattform". Das Fahrzeug verfügte mittig
über eine Säule mit der Hubspindel, die Kupplungvorrichtung
war schwenkbar ausgeführt und konnte für beide
Fahrtrichtungen verwendet werden. Nachteilig war der völlig
ungeschützte Führerstand sowie die schlechte Sicht bei
geschobenen Wagen. Typ II war eine Weiterentwicklung mit einem
stärkeren Motor und einer verbesserten Kupplungmechanik. Beide
Typen wurden in verschiedenen Varianten geliefert und lassen sich
kaum sauber unterscheiden. |
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Ab Mitte der 1920er Jahre
war der stärkere Typ III verfügbar, der eine
Führerstandsbühne mit Geländer über die gesamte
Fahrzeugbreite aufwies, optional war ein leichtes Dach lieferbar. Der
Kupplungs- und Hubmechanismus war für jede Fahrtrichtung
gesondert mit eigenen Bedienelementen angelegt. Die Hubvorrichtung
saß auf einem seitlich schwenkbaren Ausleger und es gab eine
drehbar gelagerte Pufferwiege zum Abstützen des gekuppelten
Wagens. Damit konnte sich der Lokomotor bei Kurvenfahrt unter dem
aufgesattelten Wagen drehen. |
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1929 wurde Typ IV mit
nochmals erhöhter Motorleistung und einem rundum geschlossenen
Führerhaus vorgestellt. Die Stirnseiten wiesen Schiebeklappen
auf, durch die die außenliegenden Bedienelemente der Hub- und
Kupplungsmechanik vom Führerstand aus betätigt werden
konnten. |
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Ab 1948
war Typ V verfügbar, der erstmals mit einem Dieselmotor
ausgerüstet war und ansonsten weitgehend Typ IV entsprach.
Dieser Typ wurde auch als Typ VL angeboten, womit
vermutlich auf die hier verwendeten Deutz-Dieselmotoren mit
Luftkühlung hingewiesen wurde. Die Hubvorrichtung wurde optional
mit hydraulischem Antrieb angeboten. |
Die DSB beschaffte 1925
probeweise einen Breuer Lokomotor Typ I, weitere Fahrzeuge vom Typ
III und IV folgten bis 1931, wobei eine Gesamtzahl von 21 erreicht
wurde. Zeitgleich wurde je ein Lokomotor der Typen I, III und IV von
verschiedenen dänischen Privatbahnen erworben. Alle Fahrzeuge
erhielten in den 1950er Jahren neue Dieselmotoren der Hersteller B&W
oder Leyland. Die Hebevorrichtungen des Breuer Kupplungssystems
wurden im Laufe der Jahre entfernt und stattdessen das Gewicht der
Fahrzeuge mit Betonplatten erhöht. Alle Lokomotoren waren bei
Auslieferung schwarz und wurden erst in den 1950er Jahren farbig
lackiert (DSB grün, Privatbahnen rotbraun). Die einfachen
Modelle Typ I erhielten den Spitznamen "Flyvende Jernplade"
(fliegende Eisenplatte), die geschlossene Ausführung wurde als
"Klædeskab" (Kleiderschrank) bekannt. Die Fahrzeuge
wurden landesweit eingesetzt und bis Anfang der 1970er Jahre ausgemustert, es sind lediglich
die Fahrzeuge der Privatbahnen erhalten. Die
"
Klædeskab" Lizenzaugabe
von Pedershaab war dagegen bis weit in die 1980er Jahre unterwegs.
Museal erhaltene Breuer-Lokomotoren:
LFB: FFJ M 1207
MBJ: OKMJ (ohne Nr.)
Støtteforeningen for Jernbanemuseet i Struer: LJ 6
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Technische Daten Breuer Lokomotoren der DSB: |
| Betriebsnr. |
(ohne Nr.) |
DSB 21-25 |
DSB 31-45 |
| Breuer Modell |
Typ I |
Typ III |
Typ IV |
| Anzahl* |
1 |
5 |
15 |
| Baujahre |
1925 |
1928-29 |
1930-31 |
| Achsfolge |
B |
B |
B |
| Länge |
1.520 mm |
2.900 mm |
3.115 mm |
| Motor** |
Breuer, 4 Zylinder |
Breuer 2/2S, 4 Zylinder |
Breuer S6, 4 Zylinder |
| Leistung |
15 kW (20 PS) bei 1.500 U/min |
29 kW (40 PS) bei 1.400 U/min |
48 kW (65 PS) bei 1.300 U/min |
| Kraftübertragung |
benzinhydraulisch |
benzinhydraulisch |
benzinhydraulisch |
| Höchstgeschwindigkeit |
15 km/h |
15 km/h |
25 km/h |
| Dienstgewicht |
2,0 t |
3,2 t |
5,2 t |
* = Bei dänischen Privatbahnen je ein weiterer Lokomotor der Typen I, III und IV im Einsatz, techn. Daten ähnlich.
** = In den 1950er Jahren erhielten die Lokomotoren neue Dieselmotoren der Hersteller B&W
oder Leyland.
Abbildungen:
Breuer Lokomotoren der DSB:
Breuer Lokomotoren dänischer Privatbahnen:
Breuer Lokomotoren im Deutschen Technikmuseum Berlin:
Im Deutschen Technikmuseum Berlin (DTMB) sind je ein Breuer Lokomotor der Typen
I und VL zu besichtigen, die 1989 von der schweizer
"Karl Hürlimann Zementwerke" erworben wurden.
Zum Verbleib der einzelnen Lokomotoren s.
Fahrzeugliste
Quellen:
Bauchwitz, Peter (2007): Die Firma Breuer und der Lokomotor (Teil 1-4). LOK Report 9/07: 4-9 /
10/07: 4-9 / 11/07: 5-13 / 12/07: 4-11.
Breuer: div. Handbücher und Firmenpublikationen.
Lauritsen, Tom (2002): Danske Privatbaners Motormateriel 1921-2001. Smørum: bane bøger.
Löttgers, Rolf (1991): Breuer-Traktoren. Eisenbahn Magazin 4/91: 41-43.
Poulsen, John et al. (2008): Danske Statsbaners Motormateriel 1925-2007. Smørum: bane bøger.
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