Das Unternehmen Burmeister & Wain wurde mit seiner
Werft und seinen Großdieselmotoren
bekannt. Insbesondere der Bau des weltweit ersten seegehenden
Diesel-Motorschiffs begründete den Ruf
als führender Hersteller dieser Antriebsanlagen.
Mehrfache Versuche auch in das Eisenbahngeschäft
einzusteigen, blieben trotz innovativer Ideen dagegen ohne wirklichen
Erfolg.
B&W - die ersten Jahrzehnte
1846 gründeten Hans Heinrich Baumgarten und Carl Christian Burmeister
in Kopenhagen ein metallverarbeitendes Unternehmen, das bereits im
Folgejahr durch eine große Eisengießerei ergänzt
wurde. 1848 wurde die erste Dampfmaschine geliefert und 1854 das
erste Schiff, S/S Hermod, das auf einer geliehenen Werftanlage gebaut
wurde. Nachdem sich H.H. Baumgarten zurückgezogen hatte, trat
der Brite William Wain in das Unternehmen ein, das ab 1865 als
"Burmeister & Wain" (B&W) firmierte. 1872 folgte
die Wandlung in eine Aktiengesellschaft und es wurde eine eigene
Werft angelegt. Schwerpunkte der Produktion waren Schiffe,
Dampfmaschinen und ab 1890 auch Petroleummotoren.
1898 erwarb B&W für Dänemark die Patentrechte zur Entwicklung
von Dieselmotoren, die als Alternative zur Dampfmaschine für den
Schiffsantrieb erkannt wurden. Der entscheidende Durchbruch gelang
1912 mit dem Bau der "Selandia" als weltweit erstem
hochseetauglichen Motorschiff für die "Østasiatiske Kompagni
A/S", Kopenhagen (ØK). Das Vorhaben ging maßgeblich auf die
energische Initiative der Reederei
zurück und wurde von dieser auch finanziell gestützt.
Der 4964 BRT-Frachter wurde von zwei 8-Zylinder 4-takt
Dieselmotoren mit je 1250 PS angetrieben, die jeweils auf eine
Schraube wirkten. Im Unterschied zu den sonst üblichen
Dampfschiffen, war auf einen Schornstein verzichtet worden, es gab
nur am achteren Mast versteckte Auspufföffnungen. Die Sensation
war perfekt, als die Jungfernfahrt von über 22.000 Seemeilen
nach Fernost ohne Schwierigkeiten absolviert wurde, was international
sehr beeindruckte. Das
Schwesterschiff "Fionia" weckte ebenfalls große
Aufmerksamkeit, als es 1912 auf der Kieler Woche vorgestellt wurde
und sogar Kaiser Wilhelm II an Bord ging. B&W
wurde so aus dem Stand zum Maktführer für Schiffsdiesel und
in den 1920er Jahren waren weltweit fast die Hälfte aller
Motorschiffe mit B&W-Dieseln ausgerüstet. Weitere Absatzfelder
wurden mit stationären Dieselmotoren für Kraftwerke
etc. erschlossen.
Den Lokomotivbau nahm B&W 1871 mit Lieferung der beiden ersten in
Dänemark gebauten Dampfloks auf: E 36 "Hødur"
und E 37 "Mjølner" der "Sjællandske
Jernbaneselskab". Die Loks mit der Achsfolge 1' B t3 waren
Nachbauten einer erfolgreichen Konstruktion der Maschinenfabrik
Esslingen und sind beide nicht mehr erhalten. Preislich
konnte B&W gegen die ausländische Kokurrenz mit Dampfloks
allerdings nicht bestehen und so blieb es bei diesen beiden
Exemplaren.
B&W-Diesel für die Eisenbahn
Die Einführung des Dieselantriebs bei Eisenbahnen vollzog sich erst
in den 1920er Jahren, da nun kleine, schnellaufende Motoren verfügbar
waren. B&W setzte dabei ausschließlich auf Zweitakt-Diesel
und elektrische Kraftübertragung. Der erste B&W-Vorschlag an
die DSB für eine schwere dieselelektrische Lok erging 1927,
wurde aber wegen zu hoher Achslast und zu geringer Leistung
abgelehnt. Stattdessen forderte die DSB Lokomotiven mittlerer
Leistung und erteilte 1928 Aufträge über je zwei Maschinen
an A/S Frichs (Baureihe MT) sowie B&W (Baureihe MW). Dieser
Vorgang war allerdings eine Verletzung der Vereinbarung von 1926,
wonach alle DSB-Loks zuerst bei A/S Frichs auszuschreiben waren. Nach
entsprechenden Protesten wurde die Gültigkeit dieser
Vereinbarung durch die DSB anerkannt und die beiden B&W-Loks
offiziell als "Versuchsmaschinen" bezeichnet. Damit war die
DSB als Kunde für B&W praktisch erledigt und es kam
lediglich 1935 noch zu einer Bestellung über Motoren für
zwei Triebwagen (MO 211 und 212). Die Erprobung der Motoren fiel
derartig katastrophal aus, daß keine weiteren Aufträge
erfolgten.
Nach den glücklosen DSB-Loks der Reihe MW beschränkte sich B&W
bei weiteren Bahnaufträgen auf die Lieferung von Motoren. Den
Bau der Wagenkästen überließ man bewährten
Firmen wie Scandia und Triangel, die elektrischen Ausrüstungen
kamen von Siemens Kopenhagen oder Thrige-Titan Odense. Nach diesem
Muster gelang B&W der Einstieg in den Markt der dänischen
Privatbahnen. 1930 wurden gemeinsam mit Scandia die beiden
innovativen Dieselloks M1 und M2 an die Slangerupsbanen (KSB)
geliefert, mit denen erstmals in Dänemark erhöhte
Mittelführerstände und Wendezugbetrieb eingeführt
wurde. Weitere Fahrzeuge mit B&W-Motoren folgten für
verschiedene Privatbahnen.
Gemeinsam mit Triangel wurden die
unglaublich hässlichen Triebwagen des Typs "Tretrukker"
und einige Rangiertraktoren gebaut. Auch in Kleinlokomotiven von A/S
Pedershaab wurden B&W-Motoren verbaut.
Insgesamt erwiesen sich die B&W-Motoren
bei Bahnfahrzeugen als recht anfällig, so
dass sie nach 1945 größten Teils gegen andere Fabrikate
getauscht wurden.
Exporte und Aufgabe des Eisenbahngeschäfts
Als exportorientiertes Unternehmen beschränkte sich B&W nicht
auf den heimischen Markt, sondern nutzte auch seine internationalen
Kontakte für den Vertrieb von Motoren für Bahnfahrzeuge.
1930 erschien ein englischsprachiger Katalog, der auf 28 Seiten eine
breite Palette von Loks und Triebwagen mit B&W-Dieselmotoren
präsentierte. Tatsächlich wurden in den 1930er Jahren aber
nur geringe Stückzahlen exportiert. Empfänger waren in
Schweden die Diesel-Elektriske Vagn AB (DEVA) und die Nydquist &
Holm AB. Weitere Kunden waren die französische Messrs. Schneider & Cie. le
Creusot, das irische Unternehmen Harland & Wolff und ALCO, USA.
Auch nach Russland gingen einige Motoren, wobei ungeklärt
ist, ob diese je in Bahnfahrzeugen verwendet wurden.
Von Triangel wurden vollständige Fahrzeuge mit
B&W-Motoren exportiert. Jeweils zwei Rangiertraktoren wurden 1934
an die indische Combatore Cement Co. und 1936 an die ägyptische
Société de Cement Portland de Héluan geliefert.
1935 orderte die Jugoslawische Staatsbahn (JDZ) drei zweiachsige
Triebwagen und drei "Tretrukker", die zunächst auf
Fünen erprobt und anschließend aus eigener Kraft nach
Belgrad überführt wurden.
1929 war B&W mit einem eigenen Pavillion auf der Weltausstellung in
Barcelona vertreten, was zur Bestellung einiger dieselelektrischer
Triebwagen für spanische Bahnverwaltungen führte. Dabei
übernahm B&W die Konstruktion der Fahrzeuge und die
Lieferung der Motoren, der Bau erfolgte bei der spanischen Babcock &
Wilcox in Bilbao. Die Compañía de los Ferrocarilles de
Madrid a Zaragoza y a Alicante (MZA) erhielt 1934-35 sechs Triebwagen
mit zweiachsigen Drehgestellen und einer Leistung von 250 PS. Für
die Compañía de los Caminos del Hierro del Norte de
Españía ("Del Norte") wurden unter der
Bezeichnung "Volador" (Flieger) zwei Varianten
vierteiliger Triebzüge auf Jakobsdrehgestellen entworfen. B&W
lieferte 16 Motoren für diese Fahrzeuge, die durch den
Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges 1936 aber nie fertiggestellt
wurden.
Angesichts relativ bescheidener Aussichten für weitere Aufträge
zog sich B&W 1938 aus dem
Bahngeschäft zurück, wobei man sich mit einem Abkommen
gegen den Konkurrenten A/S Frichs absicherte: B&W verzichtete auf
weitere Bahnaktivitäten, während A/S Frichs keine
Dieselmotoren über 1000 bzw. 2000 PS mehr anbot. Der Mitbewerber
für Dieselmotoren A/S Holeby wurde 1929 durch Übernahme
der Aktienmajorität geschluckt.
Nachkriegszeit und Ende der Selbständigkeit
Als
die DSB 1952 ihre neuen Dieselloks der Baureihe MY bei NOHAB
bestellte, löste diese "Degradierung" der nationalen
Industrie heftige Proteste aus. Schließlich kam es zu der rein
politisch motivierten Beauftragung eines vergleichbaren Lokmusters,
um dänische Arbeitsplätze zu retten. A/S Frichs war
Hauptauftragnehmer, der Motor wurde von B&W entwickelt und die
elektrische Ausrüstung kam von Thrige Titan. Die beiden
Maschinen MY 1201 und 1202 wurden mit erheblicher Verspätung
ausgeliefert und liefen unzuverlässig. Hauptursache der
technischen Probleme war der eigens entwickelte B&W-Motor, der
nie eine akzeptable Betriebssicherheit erreichte.
1971 geriet B&W wirtschaftlich
in eine schwere Krise, die zur Trennung der verschiedenen Sparten
führte. Allerdings konnten sich auch die neuen Unternehmen nicht
aus eigener Kraft halten:
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Für die
B&W-Werft kam 1996 nach knapp 1000 Schiffen das Ende.
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Die
Motorenproduktion wurde 1980 mit der MAN-Dieselsparte zur MAN B&W
Diesel Group als MAN-Tochter verschmolzen. Weitere Dieselhersteller
wurden seitdem übernommen, darunter die dänische "Alpha
Diesel Frederikshavn". Heute ist die MAN Diesel Gruppe global
aktiv und nach eigenen Angaben einer der führenden Hersteller
von Dieselmotoren für Schiffe und Kraftwerke. Vereinzelt werden
auch wieder Eisenbahnfahrzeuge mit Motoren ausgerüstet.
2006 wurde die MAN B&W Diesel AG in eine Europäische Aktiengesellschaft
unter dem Namen MAN Diesel SE mit Sitz in Augsburg umgewandelt (SE = Societas Europaea).
Folgende Markennamen sollen weiter verwendet werden: MAN Diesel (Viertakt-Motoren, Turbolader),
MAN B&W (Zweitakt-Motoren) und MAN Diesel PrimeServ (After-Sales-Service). |
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Die Kraftwerkssparte Burmeister & Wain Energi A/S (BWE)
wurde 1980 an die Ferdinand Lentjes Stiftung in Düsseldorf
verkauft und 1992 zur Babcock Lentjes Kraftwerkstechnik
fusioniert. 2002 erwarb das dänische Konsortium FL
Industries die vormalige BWE und veräußerte diese 2002 in
Einzelteilen. Eines der so entstandenen Unternehmen ist der
Anlagenbauer Boiler Works A/S in Tønder. |
Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Anschrift und Kontakt D:
MAN Diesel SE
Stadtbachstrasse 1
D-86224 Augsburg
Phone: +49-821-3220
e-mail:
info@de.manbw.com
www:
http://www.manbw.com
Anschrift und Kontakt DK:
MAN Diesel A/S
Teglholmsgade 41
DK-2450 København SV
Phone: +45-3385 1100
e-mail:
manbw@manbw.dk
www:
http://www.manbw.com
Erhaltene Fahrzeuge:
Fahrzeug (Achsfolge)
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Baujahr / Fabriknummer
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Eigner
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KSB M 2 (1 Bo 1) |
1930 / 4, 1967 umgebaut* |
VSVJ |
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KB M 1 (Ao 1 Ao) |
1933 / 1977 |
FDSB |
* = KSB M2 wurde bei Det Danske Stålvalseværk
(DDS) bis zur völligen Unkenntlichkeit von einer vierachsigen
Streckenlok in einen zweiachsigen Rangiertraktor umgebaut - es
dürfte also kaum noch ein Originalteil vorhanden sein...
Weitere B&W-Sehenswürdigkeiten:
B&W unterhält in Kopenhagen ein
Werksmuseum, das Modelle von Schiffen und Motoren des Unternehmens
präsentiert und das Firmenarchiv pflegt. Das historische Maschinenhaus beherbergt den
seinerzeit weltweit größten Dieselmotor Baujahr 1932, der für
Spitzenbelastungen der kopenhagener Stromversorgung im
Kraftwerk H. C. Ørsted Værket bis 2003 vorgehalten wurde:
DieselHouse
Elværksvej 50
DK-2450 København SV
Phone: +45-32 54 02 27
e-mail:
dieselhouse@manbw.dk
www:
http://www.dieselhouse.dk
Sehenswert ist die "Hjejlen": Der laut Guinness Buch der Rekorde weltweit
älteste aktive Raddampfer ist immer
noch auf den Seen bei Silkeborg unterwegs und wird nach wie vor von der
selben Aktiengesellschaft betrieben, die das Schiff 1861 zur
Förderung des lokalen Tourismus erwarb:
Hjejlen ApS
Havnen
DK-8600 Silkeborg
Phone: +45 86 82 07 66
www:
http://www.hjejlen.com
Ein Modell der legendären "Selandia" im Maßstab 1:50 ist
übrigens auch im Deutschen Technikmuseum Berlin (DTMB) zu sehen (Fotos s.o.):
http://www.dtmb.de
Quellen:
Andersen, Torben (1997): B&W og Holeby Diesel. Lokomotivet 49: 34-39.
Boiler Works A/S: http://www.boilerworks.dk
ChangeX Partnerforum (Onlinemagazinn), pdf-Download:
http://www.changex.de/pdf/d_a01012.pdf
Christensen, Peter & Poulsen, John (2005): Motor Materiel 6: Motormateriellet fra danske
fabrikker før 1932. Smørum: bane bøger.
DieselHouse: http://www.dieselhouse.dk
Jensen, Niels (2000): Danske jernbaner. Aschehoug Dansk Forlag A/S.
Jensen, Niels (2001): Danske Damplokomotiver. Aschehoug Dansk Forlag A/S.
Knudsen, Ivar (1912): M/S "SELANDIA". Illustreret Tidende 21: 257 - 258.
Kretschmer, Winfried (2003): Ausgedampft - der Anfang vom Ende der Dampfschiffe.
MAN B&W:
http://www.manbw.com
Nørgaard Olesen, Thomas (2005): Lokomotivfabrikken Frichs. København: Dansk Jernbane Klub
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