Dossier HHJ M 2 Teil 2: Technische Beschreibung und Daten


Technische Beschreibung


Orientierung:
Als vorderes Ende des Triebwagens wird das Maschinenteil mit dem Führerstand "A" betrachtet, das hintere Ende bildet entsprechend das Fahrgastteil mit Führerstand "B".


Allgemeine Auslegung:
HHJ M 2 besteht genaugenommen aus zwei Fahrzeugteilen mit je einem Führerstand: Das kurze, dreiachsige Maschinenteil enthält den Motor mit Generator. Das lange Fahrgastteil stützt sich am vorderen Ende über Gelenke auf das Maschinenteil und am hinteren Ende auf ein dreiachsiges Drehgestell, das auch die Fahrmotoren trägt. Diese eigenwillige Konstruktion gleicht grundsätzlich einem Sattelschlepper mit Auflieger und soll den Fahrgastraum vor Lärm, Vibrationen und Geruchsbelästigung durch die Maschinenanlage schützen. Die Trennung von Maschinenanlage und Fahrmotoren dient der gleichmäßigen Gewichtsverteilung. Außerdem waren die damaligen Frichs-Dieselmotoren berüchtigte Ölschleudern, von denen die elektrischen Fahrmotoren besser ferngehalten wurden.


HHJ_M2_Schema

Wagenkasten:
Die Wagenkästen beider Fahrzeugteile sind aus Profilen mit aufgenieteten Stahlblechen gebaut. Das Fahrzeug kann vollständig durchschritten werden, da alle Querwände mit Türen ausgestattet sind. Auch beide Stirnseiten sind mit Übergängen versehen, so daß mitgeführte Wagen während der Fahrt erreichbar sind.


Wagenkasten Maschinenteil:
Führerstand A: Der Führerstand hat rechts ein Fahrpult und links eine seitliche Tür; in der Mitte der vorderen Stirnwand ermöglicht eine weitere Tür den Übergang zu mitgeführten Wagen. Die hintere Trennnwand zum Maschinenraum hat zwei weitere Türen, so daß die Maschinenanlage von beiden Seiten zugänglich ist.

Maschinenraum: Der Maschinenraum selbst enthält den längs stehenden Motor und den Generator sowie an der rechten Wand einen Schaltschrank. Der Raum ist hellgrau lackiert.

Übergang zwischen den Fahrzeugteilen: Beide Fahrzeugteile schließen gegeneinander mit eigenen Stirnwänden ab, die auf der rechten Fahrzeugseite eine jeweils nach innen öffnende Tür haben. Der Raum zwischen den Fahrzeugteilen ist offen, es ist kein Faltenbalg o.ä. vorhanden.


Wagenkasten Fahrgastteil:
Packraum und vorderer Einstieg: Das Fahrgastteil beginnt mit einem Raum für Traglasten, der zu beiden Seiten durch Schiebetüren zugänglich ist. Hinten links ragt die Kammer mit dem Abort in den Packraum. Auf den Packraum folgt der vordere Einstiegsbereich mit nach innen versetzten seitlichen Türen. Von hier gelangt man in die Fahrgasträume und auch zum Abort. Im Lieferzustand war die Toilette durch eine Klapptür zugänglich, nach energischen Beschwerden einer wohl etwas fülligeren Dame wurde hier aber bald eine Schiebetür eingebaut.

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Fahrgastbereich: Der Fahrgastbereich ist in zwei Abteile mit Mittelgang gegliedert. Das vordere Nichtraucherabteil ist in der Anordnung 2 + 2 mit 16 festmontierten Stahlrohrsesseln (freischwingend mit Armlehnen) ausgestattet, was ihm den Spitznamen "Barbersaloon" eintrug. Die Sitze waren ursprünglich mit dunklem Leder bespannt, das bei der MHVJ durch weißen Stoff ersetzt wurde. Die Bänke des Raucherabteils sind gepolstert und mit schwarzem Leder bezogen, hier sind 28 Plätze in der Anordnung 2 + 3 verfügbar. Beide Abteile sind mit Gepäcknetzen über den Fenstern und Gardinen ausgestattet, die Wände sind holzgetäfelt und die Decke cremefarben gehalten (vergilbt?). Ungewöhnlich ist die verglaste Trennwand zwischen beiden Abteilen, die einen großzügigen Raumeindruck erzeugt.

Hinterer Einstieg und Führerstand B: Hinter den Fahrgastabteilen schließt ein weiterer Einstiegsbereich an, ebenfalls mit nach innen versetzten seitlichen Türen. Den Abschluß des Fahrzeugs bildet der hintere Führerstand, der über keine seitlichen Türen verfügt. In der Mitte der abschließenden Stirnwand ermöglicht eine Tür den Übergang zu mitgeführten Wagen.


Heizung und Beleuchtung
Die Warmwasserheizung wird über einen Ofen mit Koksfeuerung auf der rechten Fahrzeugseite unter dem Packraum betrieben und von außen beheizt. Die 65 V Beleuchtung wird über einen Dynamo und Akkus gespeist.


Verbindung der beiden Fahrzeugteile:
Das besondere technische Merkmal von HHJ M 2 ist die gelenkige Verbindung der beiden Fahrzeugteile. Die Zug- und Stoßkräfte zwischen Fahrgast- und Maschinenteil werden durch eine gefederte Kurzkupplung übertragen, ähnlich wie sie auch zwischen einer Dampflok und ihrem Schlepptender verwendet wird (bei HHJ M 2 war diese Kupplung lange Zeit gebrochen, ohne daß dies bemerkt wurde). Die Abstützung des Fahrgastteils erfolgt auf jeder Fahrzeugseite über ein kardanisches Gelenk auf zwei große Blattfederpakete, die ihrerseits am Rahmen des Maschinenteils gelagert sind. Die Aufhängungen der Blattfederpakete am Maschinenteil sind unterdimensionert, alle Versuche die Aufhängungen zu verstärken werden durch Platzmagel sehr erschwert.


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Maschinenanlage.

Motor: Der Motor ist ein sechs Zylinder 4-Takt Diesel, FRICHS Typ 6215 CL.

Kühlanlage: Die Motorwärme wird über Kühler auf dem Fahrzeugdach abgeführt. Die Kühlelemente sind in zwei von Hand zu regelnden Kreisläufen angeordnet, eine Thermostatregelung ist nicht vorhanden. Die ursprüngliche Kühlanlage war allerdings unterdimensioniert, so daß innerhalb der ersten beiden Betriebsjahre ein weiteres Kühlelement nachgerüstet wurde. Dieses wird lediglich durch die Kühlwasserrohre gehalten und "schwebt" über dem Dach des Fahrgastteils. Zusätzlich wurde das Dach und die Frontseite des Maschinenteils über den Fenstern durchbrochen, um den Fahrtwind besser zur Belüftung der Kühler auszunutzen.

Elektrische Ausrüstung: Der Generator ist direkt an das Motorschwungrad angeflanscht, der Erreger wurde platzsparend auf dem Generatorgehäuse motiert und wird über Keilriemen angetrieben. Der Generator dient auch als Anlasser, allerdings reicht die mitgeführte Batteriekapazität kaum aus, so daß zum Starten eine externe Spannungsquelle benötigt wird. Die Batterien selbst sind mittig in Kästen unter dem Fahrgastteil untergebracht.

Fahrmotoren: Im hinteren Drehgestell treiben die beiden querliegenden Fahrmotoren jeweils eine der äußeren Achsen an. Die Kühlung der beiden Fahmotoren erfolgt durch Lüfter. Die Kühlluft wird über Öffnungen in der rechten Wand des Fahrgastteils angesaugt und über lederne Faltenbälge zu den Motoren geleitet. Die hochgesetzten Lüfteröffnungen am Wagenkasten sollen das Ansaugen von Staub und Sand aus dem Schienenbett verhindern.

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Fahrwerk:
Die Laufradsätze des Maschinenteils sind im Rahmen gelagert, die Radsätze des Fahrgastteils sind im hinteren Drehgestell untergebracht. Alle Radsätze sind rollengelagert.


Zug- und Stoßvorrichtungen:
Geschlitzte Puffer mit runden Tellern, Schraubenkupplung, Schienenräumer Typ "Kaptajn Vom".


Technische Daten HHJ M 2:
Hersteller

Frichs

Baujahr

1932

Achsfolge

3 (Ao1Ao)'

Kraftübertragung

dieselelektrisch

Motor

FRICHS 6215 CL, 6 Zylinder

Leistung

184 kW (250 PS) bei 700 U/min

Höchstgeschwindigkeit

70 km/h

Länge über Puffer

20.000 mm

größte Breite

-- mm

größte Höhe

-- mm

größter Achsabstand

15.990 mm

Raddurchmesser

-- mm

Dienstgewicht

55,3 t

max. Achsdruck

13,0 t

Kraftstoffbehälter

420 l

Schmierölvorrat

200 l

Kühlwasservorrat

-- l

Sandvorrat

-- kg

min. Kurvenradius

-- m

Anzahl Sitzplätze

44 (28 Raucher, 16 Nichtraucher)

Zuladung

1,0 t




HHJ M 2 Übersicht
HHJ M 2 Teil 1: Entwicklung und Einsatz
HHJ M 2 Teil 2: Technische Beschreibung und Daten


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